Um verstehen zu können, wie therapeutische Erfolge mit dem Hund in einer offenen Jugendfreizeiteinrichtung erzielt werden können, müssen wir verstehen, wie Menschen untereinander und wie sie mit Tieren kommunizieren.

„Aus sozialpsychologischer Sicht bietet sich dazu eine von WATZLAWICK, BEAVIN und JACKSON (1969) getroffene Unterscheidung an, die Unterscheidung zwischen digitaler und analoger Kommunikation.

Bei der digitalen Kommunikation ist die Beziehung zwischen einem Wort und dem damit benannten Inhalt willkürlich festgelegt - so, wie bei der Digitalisierung dem Computer eine eigentlich willkürliche Folge von Nullen und Einsen gegeben wird, die für das Gemeinte stehen soll.

Auch Worte sind bloß Zeichen für Dinge. Und Worte werden viel mehr nach den Regeln der Logik und der Syntax manipuliert als nach den Regeln des Sachverhaltes. Worte gebrauchen wir, wenn wir Wissen über Sachverhalte mitteilen. All das lässt sie für die Mensch-Tier Kommunikation schlecht geeignet erscheinen. Anders die analoge Kommunikation. Das Symbol, das "Vehikel", über das wir dabei etwas ausdrücken, steht jetzt in einer direkten Beziehung zu dem, was mitgeteilt werden soll, ja, es macht es ein Stück weit aus.“

(vgl. Erhard Olbricht, http://www.tiergestuetzte-therapie.de/texte/referate/olbrich/olbrich1.htm)


Analoge Kommunikation nutzt den Gesichtsausdruck, die Gesichtsgestik, die Körperhaltung, die Sprache der Augen, die Stimmodulation, die Sprache der Berührungen usw. . Als Unterscheidung zur digitalen Kommunikation, können wir sagen, dass es bei der analogen Kommunikation mehr auf das wie (wie wird etwas ausgesprochen) und nicht auf den Inhalt eines Wortes ankommt. Das wie ist höher als der Inhalt / Bedeutung des Wortes. Gerade diese analoge Kommunikation steht bei der Mensch-Hund-Kommunikation im Vordergrund.

„Elisabeth PAUL (1992) fand, dass Kinder durch die Interaktionen mit einem abhängigen Heimtier schon sehr früh lernen können, die Gefühle und Bedürfnisse dieses Lebewesens zu verstehen und gleichzeitig damit auch die Gefühle und Bedürfnisse von Menschen. BRYANT (1985) belegte, dass Kinder, die ein Tier hatten, anderen Menschen gegenüber mehr Empathie empfanden. Auch PORESKY und HENDRIX (1989) maßen höhere Empathiewerte bei drei- bis sechsjährigen Kindern, die ein Tier besaßen. Natürlich ist es nicht etwa die Tatsache des bloßen Besitzens eines Heimtieres, die Kinder Empathie empfinden lässt, sondern es ist die durch Interaktionen angeregte Möglichkeit zum Mitschwingen, die durch Tiere ausgelöst wird, es ist aber auch die Möglichkeit zum Mitleiden mit anderen Lebewesen, die Fähigkeit, zum leidenschaftlich-miteinander-Leben. Mitschwingen, Mitleiden und leidenschaftlich-miteinander-Leben, das sind emotional getönte Formen des Zusammenlebens.

Sie laufen primär auf einer tieferen Schicht der Person ab, nicht auf der Schicht der rationalen Planung und der Kontrolle. Sie beschreiben ein Miteinander von Lebewesen, das auf einer schlichten Kommunikation aufbaut. Und das ist die analoge Kommunikation.“

(vgl. Erhard Olbricht, http://www.tiergestuetzte-therapie.de/texte/referate/olbrich/olbrich1.htm)