Umgang mit der Konzeption

In unserer Gesellschaft herrschen viele positive und negative, begründete und unbegründete Vorurteile gegenüber Hunden. Die vorliegende Konzeption kann und möchte an diesem Bild nichts verändern. Sie möchte lediglich Möglichkeiten aufzeigen, wie ein Hund in die Sozialpädagogik, im Besonderen in die offene Jugendarbeit eingebunden werden kann. Hierbei geht es nicht um die Erarbeitung einer völlig neuen Methode, sondern vielmehr darum, bewährte Methoden im offenen Freizeitbereich anzuwenden.

Leser, die keinen Kontakt zu gut sozialisierten Hunden, oder negative Vorurteile gegenüber Hunden haben, möchte ich bitten, beim Lesen mit dem Link Kritisches anzufangen und anschließend erst die Einleitung usw. zu lesen.


Einleitung

Tiere und Tierfiguren sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Im Besonderen in dem Lebensraum von Kindern sind immer häufiger Tierfiguren anzutreffen. Diese Tierfiguren sind aber nicht real und führen somit zu einem verzerrten Bild der Kinder über reale Tiere, das muss bei allen Fragen und Antworten zu den Auswirkungen von direktem Kontakt zwischen Kindern und lebendigen Tieren immer beachtet werden.

Viele Vorstellungen von dem Verhalten von Tieren werden im starken Maße von Medien geprägt.

„Babies haben Kuscheltiere und Tierfiguren um sich. Schon die ersten Kinderbücher stellen entweder echte Tiere da oder Tierfiguren, die menschliche Verhaltensweisen zeigen. Für jede Altersstufe gibt es Zeitschriften und Bücher über Tiere und Natur, Geschichten, Comics, klassische Märchen, Fabeln, und nicht zu vergessen: zahlreiche Filme im Fernsehen, in denen Tiere auftauchen. Tiere werden entweder realistisch dargestellt, in Geschichten sind sie Begleiter und Helfer von Menschen, meist Kindern, oder sie werden vermenschlicht z.B. in Zeichentrickfilmen, bestehen Abenteuer, durchleben Sorgen und Nöte, die Kinder von sich selbst kennen usw. .

Tiere bieten sich als Identifikationsobjekte, als Symbolträger an. Sehnsüchte verschiedenster Ausprägung können alleine durch die Medien genährt werden: nach einem treuen Freund, nach Unabhängigkeit, nach Abenteuer, nach eigener Kraft und nach Mut, nach harmonischem Zusammensein, nach Naturerlebnissen (wie Kinder sie sich vorstellen) etc. .“

(vgl. Anette Bull, http://www.tu-berlin.de/umweltbildung/anette/kindtier.html)


In unserer Gesellschaft kommt es unter Kindern und Jugendlichen kaum zu realen Erfahrungen im Umgang mit Tieren. Oft begrenzen sich diese Erfahrungen auf Zoobesuche, Heimtierhaltung und evtl. bei Spaziergängen im Wald in der Form, das Kinder kleinere und größere Wildtiere im Wald beobachten. Kinder und Jugendliche, die sich für den realen Kontakt mit Tieren interessieren haben kaum eine Chance diese zu verwirklichen. Sie müssen entweder Freunde und Bekannte aufsuchen, welche selber Tiere besitzen oder ihre Eltern überreden, dass sie sich ein Tier anschaffen dürfen. Wir können davon ausgehen, dass in unserer Gesellschaft, welche von immer mehr Technologie und nicht realen Welten (Computer, Video, DVD usw.) beeinflusst wird, es immer weniger zu realen Kontakten mit Tieren kommt. Dies ist sehr bedauerlich, da Tiere dem Menschen, im Besonderen im emotionalen Bereich, vieles geben können (siehe hierzu sozialer Katalysator). Die hundgestützte offene Jugendarbeit versucht an diesem Punkt anzuknüpfen in der Form, dass sie Kinder und Jugendliche an ein Tier heranführt und im Umgang mit diesem sie die Möglichkeit erhalten von und mit dem Tier zu lernen und positive emotionale Erfahrungen erleben können.

Hierzu müssen wir erst einmal klären, welche Therapieformen mit Tieren werden schon praktiziert und wie grenzt sich die hundgestützte offene Jugendarbeit von diesen ab.

Die tiergestützte Therapie versucht auf einer wissenschaftlichen Ebene zu erklären, welche emotionalen Bereiche beim Menschen durch Unterstützung eines Tieres angesprochen werden und welche therapeutischen Effekte beim Menschen und seinem sozialem Umfeld erzielt werden können. Die Canepädagogik (Canepädagogik - Hilfe zur Erziehung mit dem und durch den Hund ISBN 978-3-8442-0708-8) hingegen bezieht sich ausschließlich auf die therapeutische Wirkung des Hundes auf den Menschen. 

Die vorliegende Konzeption beschränkt sich ebenfalls auf die Wirkung des Hundes (und nicht der Tiere im Allgemeinen) auf den Menschen bzw. dem Kind und/oder Jugendlichen. Als Grundlage dienen die Erkenntnisse der tiergestützten Therapie und der Canepädagogik. Letzere geht jedoch von einem uns in fragestellenden Menschenbild aus und bezieht sich ausschließlich auf verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche.