In unserer Gesellschaft spielen Hunde für Menschen die unterschiedlichsten Rollen. Da heutzutage viele Kinder in der Familie immer mehr auf sich gestellt sind, wird der Hund als Familienhund ständig wichtiger. Hunde sind soziale Lebewesen und haben dementsprechende Ansprüche. In der Entwicklung des Sozialverhaltens der Kinder spielt der Hund oft eine wesentliche Rolle. Um mit einer anderen Tierart gut zurecht zu kommen, muss man sich in sie hineinversetzen und Empathie (Einfühlsamkeit) entwickeln. Der Jugendliche entwickelt somit Respekt für das andere Lebewesen. Aus diesem Respekt entwickelt sich auch Verantwortungsgefühl gegenüber dem Hund. Der Jugendliche lernt Verantwortung zu tragen. All diese Faktoren haben einen großen positiven Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder in unserer modernen Gesellschaft.

Oft sieht man leider eine andere Entwicklung: Kinder tragen die Verantwortung für sich schon viel zu früh und vereinsamen in unserer Gesellschaft. Sozialverhalten wird weniger gefördert als die Fähigkeit, sich auf aggressive Weise zu behaupten. Anderen gegenüber Einfühlsamkeit zu zeigen wird häufig als Schwäche angesehen. Somit bleibt auch der Respekt für den Mitmenschen auf der Strecke. Da viele Jugendliche nur für sich verantwortlich sind, sind sie später nicht in der Lage, Verantwortung für andere (z.B. die eigenen Kinder) zu übernehmen. Dieser Prozess wird von sich aus kein Ende finden.

Die Arbeit „Hundgestützte offene Jugendarbeit“ versucht diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem Hunde in der therapeutischen Arbeit mit Jugendlichen eine wesentliche Rolle spielen. Es wird Zeit, dass diese Arbeit die angemessene Anerkennung findet, denn die Jugend ist die Zukunft.

Jan Nijboer *

Windeck, 02.09.2005

 

* Jan Nijboer war ursprünglich im sozial-pädagogischen Bereich im Umgang mit schwer erziehbaren Menschen tätig, bevor er sich immer stärker den Hunden widmete. Von 1980 bis 1990 züchtete er Leonberger und war Vorstandsmitglied im Kynologenverein in den Niederlanden, wo er für den Bereich Hundeerziehung und Ausbildung der HundeerziehungsberaterInnen verantwortlich war.

Seit 1984 befasst sich Jan Nijboer professionell mit der Hundeerziehung. Er bildete für die Stiftungen Soho (Soziale Honden) und SAM (Servicehonden voor Auditiv en/of Motorisch gehandicapten) Servicehunde aus und ist Ausbilder für HundeerziehungsberaterInnen und ServicehundetrainerInnen.

An der Uni Groningen (Niederlande) war er von 1992 bis 1996 Gastdozent für die Studienrichtung Tiermanagement. Seit 1996 lebt Jan Nijboer in Deutschland und betreibt in Windeck die Natural Dogmanship®-Zentrale, wo er Seminare für HundehalterInnen anbietet und HundeerziehungsberaterInnen ausbildet. Aus seiner langjährigen Erfahrung entwickelte er eine innovative Betrachtungsweise des Hundes: die Erziehungsphilosphie Natural Dogmanship®.