Anforderungen und Eignung des Hundes

Die hundgestützte offene Jugendarbeit kann verständlicher Weise nicht mit jedem Hund praktiziert werden. Der Hund muss Anforderungen entsprechen, die nicht immer „hundgerecht“ sind. Er muss es erdulden können, dass er mit Menschen in Kontakt kommt, die seinen Anforderungen nicht immer entsprechen, bzw. die sich so benehmen, dass sie durch ihr Verhalten einen nicht ausgebildeten Hund aggressiv machen würden. Der Hund muss „Schussfest“ sein, das heißt, dass er bei plötzlichen lauten Geräuschen seine innere Balance nicht vollkommen verliert. Er muss sich an jeder Körperstelle streicheln lassen können ohne zu beißen. Sein Spielzeug und Futter muss er sich wegnehmen lassen können und er darf bei körperlichen Angriffen auf ihn nicht mit beißen reagieren.

Im Allgemeinen muss er ein Meideverhalten zeigen. Natürlich werden jetzt viele Sozialarbeiter mit einem Hund sagen, mein Vierbeiner entspricht diesen Voraussetzungen. Davor kann ich nur Warnen! Es sind mir Hunde bekannt, die in ihren alltäglichen Situationen (Straßenverkehr, Menschenansammlungen usw.) ruhig und ausgeglichen sind, aber dem Stress in einer Jugendfreizeiteinrichtung nicht gewachsen sind. Um sicher zu sein, dass ihr Hund den Anforderungen eines Hundes für die hundgestützte offene Jugendarbeit entspricht, ist es zwingend Notwendig, dass sich das Mensch – Hundteam bei einem Tierarzt vorstellt. In Berlin und München kann das Team eine Prüfung beim Verein Leben mit Tieren e.V. ablegen. Diese Prüfung beinhaltet viele Situationen, die das Team auch im Praktischen Einsatz bestehen muss. Dazu gehören unter anderem, dass dem Hund sein liebstes Spielzeug weggenommen und ihm sein voller Fressnapf entzogen wird, dass beim Abrufen des Hundes eine Kiste mit Nägeln in seine Richtung geworfen wird, oder ihm durch einen fremden Menschen am Kopfbereich wehgetan wird. Weiterhin gehört dazu, dass er mit einer Gehhilfe attackiert wird, er von einem fremden Menschen auf den Rücken gelegt wird, er sich an jeder Körperstelle streicheln lässt usw. Nur der Hund, der bei derartig tiefen Eingriffen in seinem Verhalten nicht aggressiv reagiert, ist für die hundgestützte offene Jugendarbeit geeignet. Natürlich sollte der Hund auch die Grundsignale wie Sitz, Platz, Steh, Aus, Pfui und Nein beherrschen, damit das Mensch – Hundteam auf die alltäglichen Situationen in der offenen Freizeiteinrichtung reagieren kann.

2 Fragen für die Eignung des Hundes an die hundgestützte offene Jugendarbeit sind entscheidend. Erstens was möchte ich mit dem Hund beim Kind bzw. Jugendlichen erreichen und zweitens welche Charaktereigenschaften des Hundes führen uns zu den gewünschten Ergebnissen. Die Möglichkeiten über den Einsatz des Hundes habe ich schon in den Kapiteln zuvor ausführlich beschrieben. Entscheidend ist hier die zweite Frage. Welcher Hund eignet sich für diese Arbeit? Oben habe ich eine Möglichkeit für einen erwachsenen Hund beschrieben. Eine zweite Möglichkeit ist, dass wir auf einen Hund zurückgreifen der den sogenannten Biotonustest unterzogen wurde. Entwickelt wurde dieser Test von Eberhard Trumler und von Jan Nijboer erweitert.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass die mobile Hundeschule Berlin unterschiedliche Test für die Eignung des Hundes durchführen kann. Da ich der Meinung bin, dass der Biotonustest Auskünfte über die Eignung des Hunds gibt möchte ich diesen hier erwähnen bzw. folgendes Zitat hier einfügen.

24 Stunden nach der Geburt wird der Welpe dem sogenannten Biotonustest unterzogen.

“Dieser Test gibt Aussage über die Lebensspannung des Welpen, getestet wird das Reflexverhalten. Bewegung, Geräuschproduktion, Saugreflex und Schmerzempfindlichkeit.

Aufgrund der Testergebnisse lassen sich zu diesem Zeitpunkt bereits Schlüsse ziehen auf den späteren Charakter des Welpen. Nach 8-10 Tagen wird der Test wiederholt.

Im Alter von 6 Wochen wird der sogenannte 6-Wochen-Test durchgeführt.

Getestet wird hier: soziale Orientierung, Explorationsverhalten, Assoziierungsvermögen, Temperament, Schreckreflex, Selbstschutzinstinkt, Schmerzempfindlichkeit

Sinn und Zweck dieser ganzen Sache soll sein, den richtigen Welpen für den jeweiligen späteren Besitzer aussuchen zu können. Die Charaktere innerhalb eines Wurfes sind zum Teil sehr unterschiedlich. Mit Hilfe der Testreihe kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, wie sich die Welpen entwickeln werden. Habe ich es mit einem sehr dominanten Welpen zu tun, der in erfahrene Hände gehört oder ist es ein submissiver Welpe, der sich gerne und ohne Widerwillen dem Menschen anschließen wird?!“

 (vgl. http://www.dogtale.de/html/australian_shepherd.html)

Ich bin der Meinung, dass der Test gute Aussagen über die Eignung des Hundes für die hundgestütze offene Jugendarbeit abgeben kann. Selbstverständlich bedarf es bei der Eignung des Hundes eine adäquate Erziehung, damit sich die Charaktere in die gewünschte Richtung entfallten können.

Anforderungen an den Sozialarbeiter / Sozialpädagogen

In den oberen Kapiteln wurde beschrieben, welche Aufgaben der Hund hat bzw. wie er sinnvoll in die Sozialpädagogik eingebunden werden kann. Zu der hundgestützten offenen Jugendarbeit gehört die Wissensvermittlung über den Hund, den Kindern und Jugendlichen gegenüber. Dazu zählt nicht nur, dass der Sozialpädagoge den Kindern und Jugendlichen über die besonderen Eigenschaften seines Hundes erzählt, sondern er ein Wissen über das Verhalten von Hunden im Allgemeinen vermittelt. Drei Gründe sprechen dafür:

1. Der Hund in der hundgestützten offenen Jugendarbeit verhält sich anders als andere Hunde auf der Straße. Er ist in für einen Hund stressigen Situationen (überall anfassen lassen, Menschenansammlungen, laute Geräusche, usw.) belastbarer, bzw. zeigt ein Meideverhalten. Das müssen die Kinder und Jugendlichen wissen, damit sie sich fremden Hunden gegenüber anders verhalten können.

2. Der Sozialpädagoge muss die Kinder und Jugendlichen über die Verhaltenssignale eines Hundes aufklären, damit es nicht zu Missverständnissen zwischen Kind und Hund kommt. Das freudige Anspringen, Bellen, usw. eines Hundes kann gerade von Kindern sehr leicht missverstanden werden.

3. Dem Kind oder Jugendlichen sollte ein realistisches Bild über Hunde vermittelt werden. Ein Hund kann nicht nur ein „Spielkamerad“, „Freund“ oder der gleichen sein. Es gehören zum Umgang mit dem Hund auch Pflichten. Zu diesen zählt nicht nur der regelmäßige Spaziergang mit dem Hund oder das Fressen geben. Ein Hund muss sowohl physisch als auch psychisch ausgelastet werden. Er benötigt viel Bewegung und immer neue Aufgaben und oft ist der Hund nicht für den Menschen, sondern in vielen Situationen muss der Mensch für den Hund da sein.

Jedem Sozialpädagogen, der die hundgestützte offene Jugendarbeit in einer Jugendfreizeiteinrichtung anwendet, muss es bewusst sein, dass, obwohl der Hund ihm einige Arbeit erleichtern kann, er in vielen Situationen auch einen erhöhten Arbeitsaufwand hat. So muss er zunächst seinen Arbeitsplatz so einrichten, dass er sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für einen Hund geeignet ist. Des Weiteren kann es immer wieder zu Situationen kommen, in denen sich der Sozialpädagoge fast gleichzeitig sowohl um den Hund, als auch um sein eigentliches Klientel kümmern muss, z.B. dann, wenn er gerade in einem Gespräch mit beratendem Charakter ist und vor der Tür der Hund bellt.

Räumliche Anforderungen für die hundgestützte offene Jugendarbeit

Wie bereits erwähnt, stellt die hundgestützte offene Jugendarbeit auch Anforderungen an die räumlichen Ressourcen einer Jugendfreizeiteinrichtung. Folgende Punkte sollten beachtet werden:

a) Die Einrichtung sollte einen Raum besitzen, in den sich der Hund zurückziehen kann.

b) Es sollte die Möglichkeit bestehen, dass Kinder und Jugendliche einen Raum haben, in dem sie vom Hund ungestört sein können.

c) Der Hund sollte in den Räumen genug Freiraum besitzen, oder die Möglichkeit haben die Räume zu verlassen (angrenzendes Freigelände)

d) Eine eigene oder angrenzende Grünfläche kann zusätzlich die Möglichkeit für Agillity und Apportieren bieten.